Ein idealer Gatte von Oskar Wilde

Eine Komödie, eine Gesellschaftssatire, ein Politthriller, eine Liebesgeschichte! All diese Umschreibungen sind für das Stück „Eine idealer Gatte“ zutreffend. Oscar Wilde beschreibt in seiner unnachahmlich scharfzüngigen Art und Weise eine politische Intrige im London des zu endegehenden 19. Jahrhunderts.
Sir Robert Chiltern, eine der politischen Hoffnungen Englands - aufgrund seiner scheinbar weißem Weste und seinen moralisch hochstehenden Ansprüchen nicht nur von seiner Ehefrau sehr verehrt - wird durch das Auftauchen Lady Chevelys mit dem betrügerischen Beginn seiner Karriere konfrontiert. Lady Chevely verlangt gegenüber dem englischen Parlament eine geschönte Darstellung eines höchstumstrittenen Projekts, andernfalls veröffentlicht sie einen Brief, der den betrügerischen Karrierestart Robert Chilterns beweist. In seiner Not wendet sich Robert Chiltern an seinen besten Freund Lord Goring, ein Lebemann und Dandy, der zu einem früheren Zeitpunkt wenige Tage mit Lady Chevely verlobt war. Aufgrund eines Zufalls ergibt sich ein Plan, der den Machenschaften von Lady Chevely etwas entgegenzusetzen weiß.
Liest man heute Oscar Wilde bekommt man unweigerlich den Eindruck, dass dieser seiner Zeit weit voraus war.  Seine Themen und sein Stil sind so modern, dass man sich beim Lesen oft die Augen reibt, weil man es einerseits kaum für möglich hält, dass sich gesellschaftlich so wenig verändert hat und andererseits weil seine Texte heute noch in modernen satirischen Filmkomödien problemlos auf höchstem Niveau funktionieren würden. Bei so viel Modernität ist es somit für die Inszenierung nicht notwenig, das Stück ins Heute zu versetzen, um seine Aktualität deutlich zu machen. Man kann also in den Kleidern und Ausstattungen dieser Epoche schwelgen, ohne dabei den Inhalt des Stückes zu vergessen.
Für die Schauspieler ist das Stück eine große Herausforderung, denn die Leichtigkeit mit der Oscar Wilde seine Pointen aus dem Ärmel schüttelt und Intrigen spinnt verlangt auch eine enorme Leichtigkeit im Spiel. Und jeder weiß: Alles was leicht aussehen soll erfordert ein tiefes Verständnis für das was man tut und viel Übung. Gemixt mit viel Spielfreude, die nie zu kurz kommen darf, beschert man dem Publikum einen unterhaltsamen, aber nicht seichten, Theaterabend.