Inszenierung

Tom Müller über die Inszenierung:

Vor wenigen Monaten war ich wieder mal in Paris. In der Comédie-Française war ich in alte Manuskripte vertieft, als die Tür der Bibliothek sich öffnete und herein kam… Molière höchstpersönlich. Hier unsere Unterhaltung:

Müller: Oh, Herr Moliere, es ist mir eine Ehre, Ihnen zu begegnen.

Moliere: Danke, das sehe ich auch so. Was wünschen Sie?

Müller: Ich inszeniere eines Ihrer Stücke.

Moliere: Sehr schön. Welches?

Müller: Der eingebildete Kranke.

Moliere: (lachend) Was?

Müller: Der eingebildete Kranke.

Moliere: (lachend) Ist nicht von mir, habe ich nie geschrieben.

Müller: Aber ja.

Moliere: Aber nein!

Müller: Le Malade Imaginaire!

Moliere: Ja, das habe ich geschrieben.

Müller: Eben. Und das heißt auf Deutsch…

Moliere: Geht es da um einen Typ, der total hochnäsig und arrogant ist?

Müller: Äh… nein; um einen Typ, der sich einbildet, krank zu sein.

Moliere: Dann schreiben Sie gefälligst "Der eingebildet Kranke"! Oder einfach "Der Hypochonder".

Müller: Aber…

Moliere: Mensch Müller, überleg doch mal!

Müller: Ja, gut. Ich hab's verstanden.

Moliere: Und sonst, Müller? Wie willst du's inszenieren? Brav oder frech?

Müller: Frech, definitiv frech.

Moliere: Bravo, denn sonst hast du es nicht verdient. Ich war niemals brav. Ich habe immer  gegen Spießer und arrogante Heuchler gekämpft. Tu du das auch.

Müller: Versprochen, Herr Moliere.

Moliere: Du bist nach meinem Geschmack, Müller!

Und gerade in dem Moment, wo mich der Meister umarmen wollte, bin ich aufgewacht - leider. 

Mit liebem Gruß, Euer Tom